Platz für ein neues Tinnumer Gerätehaus: Auf diesem brachliegenden Grundstück südlich der Straße Kampende, gegenüber einem Bekleidungs-Outlet und einer Bäckerei, soll der Neubau entstehen.Boom

Tinnum braucht ein neues Gerätehaus für seine freiwillige Feuerwehr – darin sind sich alle einig. Das alte Gerätehaus in der Boy-Nielsen-Straße ist für die Feuerwehrleute und ihre Ausrüstung viel zu klein. Der Ortsbeirat stimmte in seiner letzten Sitzung einmütig für einen Neubau. Doch am Bauplatz scheiden sich die Geister – vor allem wegen der benachbarten Tinnum-Burg.

„Es wird immer dringender, eine Lösung herbeizuführen“, erklärte Ortsbeiratsvorsitzender Manfred Uekermann. „Wir tragen hier Verantwortung für Ehrenämtler, die für uns Sicherheit produzieren.“ Die Aufgaben der Ortswehr seien in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Heute müssten die Tinnumer auch zu Einsätzen in die Gewerbegebiete, zum Flughafen, in den Süden Westerlands und bis nach List und Hörnum ausrücken.

Bereits im Dezember 2011 hatte die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse die alte Tinnumer Wache besichtigt und einen detaillierten Mängelbericht vorgelegt. Moniert wurden die Raumsituation, die sanitären Anlagen und Umkleideräume, die nicht vorhandenen Parkplätze. An der Brisanz der Mängelliste habe sich nichts geändert, stellte Uekermann fest. Hinzu kommt, dass die Tinnumer Ortswehr wächst – aufgrund von Kameraden, die aus anderen Ortswehren ausgetreten sind.

„Die allgemeinen Mängel können wir am alten Standort nicht abstellen“, befand Häckel. Seinen Vorschlag, im Ortsbeirat über einen Neubau abstimmen zu lassen, setzte Uekermann sofort in die Tat um. Alle sechs anwesenden Ortsbeiratsmitglieder votierten für einen Neubau.

Zwölf mögliche Bauplätze im Ortsteil Tinnum seien von der Verwaltung geprüft worden, erläuterte der Bürgermeister. Übrig blieb nur eine Wiese neben der Boy-Lornsen-Schule am Kampende. Dort wollte die Gemeinde eigentlich 14 Reihenhäuser bauen. Das Grundstück gehört dem Land, die Hausscheiben sollten an Landesbedienstete vermietet werden. Nachdem der Naturschutz dort „ein Biotop in Form von Wertgrünland“ vorgefunden hatte, lagen die Wohnbaupläne auf Eis. Die Nutzung für einen „überwiegend öffentlichen Belang“ wie ein Feuerwehrhaus wäre aber zulässig, berichtete Nikolas Häckel. Er führe derzeit Gespräche mit dem Land über das Nutzungsrecht. Der nächste Termin in Kiel, bei dem es auch um die Baufinanzierung geht, sei für den 8. Mai angesetzt.

Doch der Bauplatz am Kampende stößt auf Kritik: Silke von Bremen sieht zwar die Notwendigkeit einer neuen Feuerwache, warnt aber vor einem Zweckgebäude neben der Tinnum-Burg, weil dadurch „eines der bedeutendsten archäologischen Denkmäler der Insel in seiner Bedeutung komplett herabgewürdigt wird.“

Auf Anfrage unserer Zeitung bezeichnete die Gästeführerin die „Vernichtung von der Beziehung unserer jahrtausendealten Kultur zu der umgebenden Landschaft“ als einen „nie wieder gutzumachenden Fehler.“ Zudem gäbe es am Königskamp durchaus alternative Bauplätze. „Jetzt werden Schutzbestimmungen ausgehebelt, und die Entscheidung für diesen Standort ist gefallen, ohne die Bevölkerung umfassend darüber aufzuklären, welche Folgen der Bau der Feuerwache an dieser Stelle hätte.“

Silke von Bremen sieht sogar Parallelen zum Pragmatismus der 60er und 70er Jahre: „Wer sich fragt, wie man das Kurzentrum von Westerland genehmigen konnte, sollte sich fragen, was er machen kann, um die Tinnumer auf der Suche nach einem bestmöglichen Grundstück zu unterstützen.“

Ralf Henningsen

SylterRundschau

          

Das TinnumerGerätehaus von 1974 in der Boy-Nielsen-Straße wurde 1995 links um einen Anbau für ein drittes Fahrzeug erweitert. Henningsen